Überwachung und Wartung von Verdunstungs-Kühlanlagen

12.11.2008 9:00   Mondsee

Juristische Risiken minimieren/Aufbau einer „gerichtsfesten Organisation“

 

Wurde früher bei rechtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einem Nasskühlturm zwischen Betreiber, Anlagenbauer und Planer zumeist die mangelnde Kühleffektivität diskutiert, geht es heute unter Umständen um mehr: Im Falle einer Legionellen-Infektion können die Verantwortlichen mit einer Anklage durch die Justiz wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar fahrlässiger Tötung rechnen, auch das Schließen kompletter Industriebetriebe ist eine realistische Option.

 

In den letzten Jahren haben die Medien breit über die Epidemien von Murcia (2001), Barrow-in- Furness (2003) bzw. Lens (2004) in Frankreich berichtet. Aber auch in Österreich kam es in den letzten Jahren mehrfach zu vergleichbaren Situationen: Verursacher waren Kühltürme, die eine tödliche Fracht in die umgebende Atmosphäre abgegeben haben: Legionellen!

 

Zum Hintergrund: Verdunstungs-Rückkühlwerke versprühen Kühlwasser im Gegenstrom zu eingeblasener oder angesaugter Luft. Dabei werden im Luftstrom Wassertröpfchen (Aerosole) mitgerissen, welche die gleiche Zusammensetzung wie das Kühlturmwasser aufweisen.

Logische Folge ist: Weist das Kühlwasser eine hohe Konzentration von Mikroorganismen/Legionellen auf, so ist das eine gefährliche Ausgangslage für eine mögliche Gefährdung von Menschen.

 

Außer Hygiene-Beauftragten mag sich wohl kaum jemand mit diesem Thema beschäftigen. Kommt es aber zu einem Ereignis, das durch einen Juristen zu klären ist (Schadensfall), dann wird der Jurist diese Thematik aus einem ganz anderen Blickwinkel bewerten. In diesem Fall helfen eine Risikobewertung und der Aufbau einer „gerichtsfesten Organisation“ dem Betreiber, sein juristisches Risiko überschaubar zu halten.

 

Juristische Fallstricke beachten - Arbeitsschutzgesetz studieren

Der verantwortliche Betreiber eines Nasskühlturmes muss sich jederzeit seiner Organisationshaftung sowie seiner Verkehrssicherungspflicht bewusst sein - und er muss wissen, dass der „Unternehmer“ nach Arbeitsschutzgesetz (ASchG) die Arbeitsplatz bedingten Gefährdungen seiner Beschäftigten oder Dritter zu ermitteln und entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen hat.

 

Im Rahmen der umfassenden Gefährdungsbeurteilung nach ASchG müssen die Ergebnisse der Beurteilung zusammengefasst und die zu treffenden Schutzmaßnahmen aufeinander abgestimmt, organisiert und dokumentiert werden.

 

Auch der Fall, dass sich die Verantwortlichen nicht um das Gefährdungspotential „Kühlturm“ kümmern, ist gesetzlich geregelt. Denn wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern logischerweise auch für das, was wir nicht tun.

 

Ein betriebliches Organisationsverschulden liegt dann vor, wenn ein Unternehmen die ihm obliegenden Organisationspflichten nicht erfüllt und diese fehlerhafte Organisation die Ursache dafür ist, dass bei Dritten Schäden eintreten. Beispielsweise können fehlerhafte Überwachungsregelungen, mangelnde Wartungsmaßnahmen, fehlende Vertretungsregelungen oder eine fehlende Dokumentation (Betriebshandbuch) ein solches betriebliches Organisationsverschulden begründen.

 

Diese „Rechtsfallen“ für Führungskräfte in der Gebäudetechnik können eine schwere juristische Last darstellen. Um eine „gerichtsfeste Organisation“ aufzubauen, sind auf der Basis von

  • Erfassung der Arbeitsorganisation/Arbeitsbereiche/Tätigkeiten
  • Ermitteln von Gefährdungen/Belastungen
  • Gefährdungsbeurteilung
  • Festlegen von abgestimmten Maßnahmen (siehe VDMA 24 64) Dokumentation

 

Anweisungen, Auswahl und die Überwachung schriftlich festzulegen.

 

Alternative zu Bioziden: Coolzon-Verfahren

BWT hat nach intensiven Forschungsarbeiten ein neues Behandlungsverfahren in den Markt eingeführt. Anstelle der diskontinuierlichen Biozidzugabe (meist auf Basis organischer Verbindungen) wird das Kühlwasser kontinuierlich mit Ozon behandelt.

 

Die kompakte Kühlwasserbehandlungsanlage besteht aus einem fertig auf einem Rahmen vormontierten System mit

  • Ozonerzeugungseinheit
  • Umwälzpumpe
  • Kiesfilter
  • Vermischungs- und Reaktionseinheit
  • Mess-, Regel- und Überwachungseinheit.

 

Die Gebäudeleittechnik steuert den Betrieb der Kühltürme und damit auch den Betrieb der Coolzon- Anlage. Der Aufbereitungskreislauf ist unabhängig vom eigentlichen Kühlkreislauf.

 

Die Funktion der Coolzon-Technik in Kürze: Die Anlage fördert Kühlturmwasser über einen Kiesfilter, trägt Ozon in das Wasser ein und führt das behandelte Wasser in den Kühlkreis zurück. Die Ozonkonzentration der austretenden Luft aus dem Kühlturm bleibt stets unter 50 μg/m3 (MAK-Wert 200 μg/m3). Ist der Kühlturm für mehrere Stunden oder Tage abgeschaltet, aber in Betriebsbereitschaft, sorgt eine „Stillstandsschaltung“ für eine Zwangsbehandlung des stehenden Wassers.

 

 

 

Coolzon-Anlage für eine Einkreis-Kühlturmanlage (Schema)

 

 

Die Vorteile dieser Technologie auf einen Blick:

  • Biologischer Bewuchs wird entfernt bzw. am Wachstum gehindert
  • gleichbleibend niedriger KBE-Wert (geringe mikrobiologische Belastung)
  • Coolzon vermeidet schädliche Nebenprodukte, es gibt keine „Biozid-Killersubstanzen“ in den Abschwaden
  • kein Umgang mit gefährlichen Chemikalien
  • hohe Kühlleistung durch saubere Kühlturmeinbauten und Wärmetauscher
  • hohe Verfügbarkeit des Kühlturmes durch Wegfall der Reinigungsstillstände

 

Nach Abbau der Biofilme (Ozon schwächt die Matrix des Biofilms und wird durch Reaktion mit den EPS – extrazelluläre polymere Substanzen - gezehrt) bleibt die Keimzahl im Kühlwasser konstant niedrig. Eine Überwachung des Redox-Wertes (online) sowie die wöchentliche Gesamtkeimzahlmessung dokumentieren den einwandfreien Betrieb. (Bei Gesamtkeimzahlen größer 10.000 KBE/ml ist unbedingt ein Legionellentest durchzuführen.)

 

Fazit: Aufgrund der Dimension der Risiken und zur Risiko-Minimierung muss beim Betrieb eines Nasskühlturmes mit ungünstiger Aufstellung dokumentierbar alles technisch und organisatorisch Mögliche zur Schadensverhütung und Schadensabwehr getan werden. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise, neben allen juristischen Aspekten: Die Forderung „Hygiene = Gesundheitsvorsorge“ ist so tatsächlich für alle Beteiligten auch langfristig sichergestellt.

  

 

Pressebilder

 

 

Die Coolzon-Anlage ist kompakt aufgebaut und wird komplett verrohrt und verdrahtet angeliefert